History of Kleinkreuzer Heleni

Seddinsee-Stettiner Haff, Ostern 2019

Seddinsee-Stetiner Haff 18.04.- 20.04.2019

Nun war es endlich soweit. Das große Abenteuer Ostsee sollte mit der Überführung des Bootes über Wasser
beginnen. Geplant waren 3 Tage über Wannsee, Oder-Havel-Kanal, Oder - ins Stettiner Haff.
Dieser Plan mußte kurzfristig verworfen werden, da ein Bombenfund an der Lehnitzer Schleuse und die damit
verbundene Sperrung des Oder-Havel-Kanals alles zunichte machte.
Jedoch viele Wege führen nach Rom (Ueckermuende). Die Alternative hieß: Oder-Spree-Kanal!
Praktischerweise fängt dieser gleich an meinem Heimatsee an und führt ebenfalls zur Oder- nur eben mit einem Umweg von ca. 50km und des Risiko`s, im oberen flachen Oderbereich auf Grund zu laufen.
Der Pegel war bereits zu so früher Jahreszeit extrem Niedrig. Die flachsten Stellen wurden mit nur noch 0,80m angegeben. Ziehe ich Schwert und Ruderpinne hoch, reichen mir 0,55m...

Erste Etappe:

Für den ersten Tag war die Schleuse Eisenhüttenstadt geplant. Ca.85km und insgesamt maximal 4 Schleusen.
Früh um 7.15Uhr wurde der Anker gelichtet und bei Sonnenaufgang der Motor gestartet. Die kommenden 3 Tage waren sonniges und trockenes Wetter vorhergesagt. Proviant hatten wir gebunkert und auch sonst war das Boot optimal vorbereitet. Erste Schleuse Wernsdorf kam bereits nach 30min in Sicht.




Weitere 30min später waren wir schon durchgeschleust- es war sonst keiner auf dem Wasser. Ach doch- ein weiterer Segler wagte die gleiche Tour wie wir! Er startete bereits sehr zeitig, so daß Er uns immer 2-3h voraus war. Wir waren in Kontakt miteinander und konnten uns wichtige Informationen zu Tiefgang, Schleusenzeiten etc. austauschen. Damit es auf dem Kanal nicht langweilig wurde, kamen noch 2 weitere Schleusen auf uns zu, welche ebenfalls ohne nennenswerte Wartezeiten und mit freundlichen Schleusenwärtern flott durchfahren wurden.







Bis auf ein paar einzelne Behausungen gab es entlang des Kanals nur die pure Natur. An den Ufern sah man die Spuren der Biber an den angenagten Bäumen, Fischreier glitten über das Wasser und ab und zu sprang auch mal ein Fisch an die Oberfläche. Mein Partner hatte seine Angel dabei und versuchte uns einen frischen Fisch für`s Abendbrot zu fangen, aber das ist leider nicht gelungen. Entweder waren wir zu schnell, oder die Fische einfach zu faul den Köder zu fangen.




Die idyllische Ruhe (bis auf das monotone Brummen unseres Motors) wurde nicht unterbrochen- stundenlang. Nicht einmal von anderen Booten, es kam uns niemand entgegen!
Zum Ende des Tages näherten sich dann die schemenhaften Umrisse rostiger Fragmente längst vergangener Zeiten: Eisenhüttenstadt! Wie der Name schon verrät, gibt es hier ein großes Werk zur Verarbeitung und Herstellung von Eisen und Stahl.








Zu Glanzzeiten in den frühen 80ìgern werkelten hier bis zu 16.000 Beschäftigte- heute sind davon noch ca.3000
übriggeblieben. Als wir an den ruinenartig anmutenden Gebäuden vorbeiglitten, hörte man nur vereinzelt Geräusche die nach Aktivitäten, oder auch nur nach Leben klangen. Man hatte eher das Gefühl von einer Endzeitstimmung a la " the day after.."
Naja, auch Eisenhüttenstadt hatte schon bessere Tage gesehen. Von den einst über 50.000 Einwohnern halten heute nur noch ca.25.000 die Stellung- Tendenz abnehmend.
Kurz vor der letzten Schleuse kam der MotorYachtClub Eisenhüttenstadt, welcher unser Zielpunkt des ersten Tages sein sollte. Die Einfahrt war recht schmal und das Rumpeln unter der Ruderpinne sagte uns, daß es dort auch recht flach war!
Einmal im Hafen drin, kamen dort recht ansehnliche Motoryachten zum Vorschein, welche fein säuberlich rechts und links entlang des Ufers befestigt waren. Am Ende der Steganlage gab es auch noch einen freien Platz, welcher überaus passend für unsere kleine Segelyacht geeignet schien. Der Hafenmeister sah uns bereits einlaufen und wies uns auch gleich auf besagtes Plätzchen.
Einmal festgemacht, kam Er uns redselig entgegen und freute sich, an diesen Abend nicht mehr alleine zu sein. Seine gute Laune war dem augenscheinlich fortgeschrittenem Konsum alkoholischer Durstlöscher zu verdanken. Ein echtes ostdeutsches Unikat, bei dem- passend zum Eindruck der ganzen Stadt- die Zeit vor 30 Jahren stehengeblieben schien.
Bevor Er sich mit uns ins Hafenmeisterbüro begab, wurde erst einmal zur Begrüßung eine kräftige "Mischung" vorbereitet, um gleich darauf auf "Ex" wieder geleert zu werden! Alles freundlich und easy und der Hinweis auf ein bekanntes fastfood Etablissement nur 300m entfernt, gab es gratis obendrauf.
Der erste Tag neigte sich dem Ende..

Zweite Etappe:

Geplant waren ca.125km, bis auf Höhe Hohensaaten, oder bei optimalen Bedingungen auch noch etwas weiter.
Leider öffnete die Schleuse Eisenhüttenstadt erstmalig Ihre Tore erst um 8.30 Uhr, so daß wir unverhofft zum Ausschlafen gezwungen wurden. Da blieb sogar noch Zeit für lecker Käffchen mit Toast vor dem letzten Schleusengang auf dem Weg zum Stettiner Haff.




Die Schleuse hatte es jedoch in sich. Nie zuvor hatte ich ein größeres Monstrum auf Binnengewässern gesehen!
Zwei riesige Kammern ( 127m lang, 12m breit ), in denen wir bis zu 14m in die Tiefe geschickt wurden. Einmal abgeschleust kam man sich vor, wie in einem U-Boot Bunker vor La Rochelle 1943. Hätte mich nicht gewundert, wenn neben uns plötzlich Herr Kaleu mit U96 aufgetaucht wäre.






Tatsächlich ist die Schleuse ein Monument aus den späten 1920er Zeiten und seither praktisch unverändert.
Wir waren das einzige Boot im Schleusenschacht...
Das ganze prozedere Dauerte mehr als eine Stunde, da wir auf einen weiteren Schleuser warten mußten, der in der Nebenkammer mit geschleust wurde.
Als wir die Schleusentore verließen, war das wie ein Tor zu einer neuen Welt. An den Ufern bis zur Odermündung zeigten sich plötzlich moderne Häuser in angenehmer Umgebung. Fürstenberg- die ursprüngliche Stadt, welche 1951 in Eisenhüttenstadt einverleibt wurde.
Die Oder präsentierte sich dann bei herrlich wärmenden Sonnenstrahlen in Ihrer ganzen Pracht und mit einer Strömung von ca.2-3km/h. Das sollte uns einen schönen Schub geben. Wir fuhren dann auch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6-7Knoten Stromabwärts, immer auf die Fahrrinne achtend. Für die nächsten 70km war extremes Flachwasser vorhergesagt. Nicht selten warnte uns das Echolot auf eine Tiefe von nur noch 1m und weniger. Meine Ruderpinne ging bis auf 0,90m.
Das war manchmal zu viel und wir mußten Sie hochklappen, um Grundberührung zu vermeiden.
Da meldete sich unser Wegbegleiter, welcher bereits einige Stunden voraus war. Er war aufgelaufen!
Saß auf steinigem Grund richtig fest und kam aus eigener Kraft nicht mehr frei. Bei 0,80m und etwas zu dicht unter Land war Schluß für seinen Backdecker. Wir waren noch weit entfernt und konnten mit unserem kleinen 5PS Außenborder leider auch nicht wirklich helfen. Nach einigen Stunden kamen wir beim havarierten Segler an und konnten erleichtert sehen, wie ein flach gehendes Motorschiff vom Binnenwasseramt sich langsam herantastete.
Mit erleichtertem Gewissen konnten wir unsere Fahrt fortsetzen und wünschten unseren Mitstreitern noch eine gute Weiterfahrt.
Die Oder wurde langsam breiter und bis auf vereinzelte Angler an beiden Seiten der Ufer, waren keine Behausungen zu sehen. Uns kamen auch keine Boote entgegen. Nur selten wurde die Einsamkeit der Natur durch eine Brücke, oder eine Kleinstadt unterbrochen.






Unter Deck, während ich das Mittagessen zubereitete, wummerte mir das beruhigende brummen des Motors entgegen. Durch den Bootsrumpf verstärkte sich das Geräusch unter Deck noch. Plötzlich hatte ich wieder das Bild vom schlafenden Johann vor meinen Augen. Ja, genau der Johann, welcher als Maschinist auf U96 zwischen den klappernden Ventilen seines Schiffsdiesels auf eine schmierige Decke mit Maulschlüssel in der Hand, friedlich vor sich hinschlummerte. Irgendwie scheint mich dieser Film geprägt zu haben, daß mir regelmäßig Vergleiche daraus einfallen.
Im weiteren Verlauf der Fahrt gab es keine bösen Überraschungen mehr. Unser Ziel-Schleuse Hohensaaten- war nicht mehr weit und unser Mitstreiter mit seinem historischen Holzsegler war schon wieder dicht  hinter uns.


Die Sonne neigte sich langsam dem Horzont entgegen.





Endstation der 2.Etappe- Anliegersteg vor der Schleuse Hohensaaten. Kurze Zeit später kam unser
Weggefährte und machte neben uns fest. Anschließend haben wir noch gemütlich beim Anlegerbier
den Tag revue passieren lassen.

Dritte Etappe:

Der dritte Tag sollte uns bis zum Endziel Ueckermuende bringen. Da lagen noch 155km vor uns!
Also hieß es früh aufstehen. Um 7.00Uhr startete der Motor und die Oder begrüßte uns mit eisigen Temperaturen von 0°C und einer dicken Nebelbank.



Mitten im Strom fahrend, konnten wir kaum die Ufer erkennen. Mit jeder weiteren Stunde hatte dann die aufgehende Sonne genug Kraft, um die Nebelschwaden zu vertreiben. Auch das Thermometer kletterte langsam in den zweistelligen Bereich. Zusammen mit einem heißen Kaffee kam wieder Leben in unsere klammen Glieder.



Die Tour verlief reibungslos. Inzwischen waren wir auch gut eingespielt und der Motor summte bei 6,7Knoten Marschfahrt seine zuverlässige Melodie.



Letzter Hotspot vor dem Haff war Stettin. Kilometerlange Hafenanlagen, Brücken und Seitenkanäle.
Jedoch, von der Stadt selbst war wenig zu sehen. Die eigentliche City liegt verborgen hinter Hügeln auf der westlichen Seite des Flusses.


Unser Wegbegleiter bog hier in eine Yachtwerft ein, um seinen Bootsrumpf auf Schäden zu überprüfen und seinen Mast setzen zu lassen. Wir konnten unsere Reise fortsetzen und während der Fahrt unseren Mast stellen.
Das lief mit der Mastlegevorrichtung problemlos ab. Innerhalb von 15min war der Mast gestellt und die Segelgarderobe ready for sail!
Am Ende der Stadt öffnete sich dann die Oder in einem weiten Trichter zum Stettiner Haff. Voller Vorfreude auf einen schönen Endspurt unter Segeln wollte ich schon den Motor drosseln und Ihn in den Feierabend schicken. Daraus wurde leider erstmal nix. Eine kräftige Briese mit ca. 6Bft. wehte uns dierkt auf die Nase! Dazu kam noch eine unangenehme 1,5m hohe Hackwelle- natürlich auch direkt von vorn.
Anstatt den Motor zu drosseln, mußte ich nun eher aufdrehen, damit wir überhaupt noch vom Fleck kamen! Glücklicherweise schob uns der kleine Quirl weiterhin nach vorn, nur die Geschwindigkeit ließ etwas nach.
Da das Haff in Ufernähe recht flach ist, mußten wir uns erst einmal in der Nähe des Fahrwassers aufhalten. Ein dicker Ozeanfrachter kam uns entgegen und schickte uns seine mächtige Heckwelle herüber.



Der Ritt über die fast 4m hohen Wellen war schon mal ein Vorgeschmack auf die große See. Der Bug zeigte kurzzeitig gen Himmel und wir mußten uns gut festhalten, um nicht rücklings über Bord geschmissen zu werden. Nach einigen Kilometern konnte ich meinen Kurs auf Nordwest ändern und die Fahrrine verlassen. Jetzt kam der Wind mehr von Steuerbord und wir konnten Segel setzen. Da es immer noch kräftig wehte, kam nur die Fock zum Einsatz. Die schob uns ohne Motor immer noch mit 5Knoten über die See.



Leider wurde die Zeit etwas knapp. Die Sonne wanderte bereits gen Horizont und wir hatten noch einige Meilen vor uns. Also schaltete ich den AB wieder zu, um unsere Geschwindigkeit zu erhöhen. Das klappte jetzt prima. Kombiniert mit Fock marschierten wir stabil mit 7Knoten durch die Wellen.
Einfahrt Ueckermuende erreichten wir kurz nach 19.00Uhr- um 19.30Uhr kamen wir in der Lagunenstadt an und machten unser Boot am Kai fest. Wieder einmal eine Punktlandung! Zum Abend gab es dann Rührei mit Würstchen und leckeren Portwein aus der Bordküche. Bis die Lichter ausgingen dauerte es dann auch nicht mehr lange. Die letzte Etappe hatte es in sich und die Müdigkeit besiegte uns noch vor 10.00Uhr.



Am nächsten Morgen wurden wir vom Hafenmeister mit leckeren Frühstückseiern begrüßt. Die Anlage macht einen wirklich sehr angenehmen Eindruck. Das Boot liegt nun sauber vertäut an seinem Liegeplatz.
Die Saison 2019 an der Ostsee hat nun offiziell begonnen...






Hier wird der Kleinkreuzer Heleni und seine Geschichte vorgestellt. Bei Heleni handelt es sich um eine Twister800, bzw. Raptor 26. Beides sind identische Boote, deren Hersteller im Laufe der Zeit nur die Bezeichnung änderten. Der Bootsname bezieht sich auf meine beiden Töchter, Helena und Leni. Viel Spass beim Lesen
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